Der alkoholische Auszug (Tinktur)

Herstellung und Anwendung von Heilpflanzentinkturen

 

Alkohol ist das natürlichste Konservierungsmittel für pflanzliche Wirkstoffe. Alkoholische Auszüge sind wirkungsvoll, lange haltbar, praktisch im Gebrauch und bei vorschriftsgemässer Dosierung gesundheitlich unbedenklich.

 

Tinkturen sind Heilpflanzen in Tropfenform. Sie sind ein idealer Ersatz für Kräuter­tee, wenn es nicht möglich ist, sich einen solchen frisch zuzubereiten.

 

Die konventionelle Tinktur

Die Heilpflanzen werden in einer alkoholischen Flüssigkeit ausgezogen und konserviert. Dazu müssen sie einwandfrei, frisch, sauber und abgetrocknet sein. Natürlich kann man auch aus getrockneten Drogen Tinkturen herstellen. Frische Pflanzen sind aber wenn immer möglich zu bevorzugen, weil durch die Trocknung wertvolle Wirkstoffe verloren gehen.

Herstellung

Die Herstellung einer Tinktur ist sehr einfach. Die Pflanzenteile werden gut vorbereitet in einer alkoholischen Flüssigkeit eingelegt. Welche Menge Pflanzenteile in welcher Menge, Art und Stärke Alkohol ausgezogen wird, richtet sich nach der Beschaffenheit der Drogen, der gewünschten Konzentration und dem Verwendungszweck.

Je nach Droge werden Kraut, Wurzeln, Rinde oder auch nur die Blütenblätter verwendet. Kraut wird vor dem Einlegen grob zerschnitten und ein bisschen angetrocknet, Wurzeln oder Rinde fein zerteilt, im Idealfall geraffelt oder oder in einem Blender zerkleinert. Je feiner die Drogen sind, desto schneller und effektiver werden sie ausgezogen.

Man gibt die Drogen in ein weithalsiges Glas mit Schraub- oder Bügelverschluss. Bei Kräutern kann man das ganze Glas mit den Pflanzenteilen füllen, evtl. leicht pressen und dann mit Alkohol bis an den Rand auffüllen. Es sollte möglichst wenig Luft im Glas sein, damit alle Pflanzenteile vom Alkohol umgeben sind. Bei Wurzeln oder Rinde rechnet man ungefähr 1 Teil Drogen auf 4 Teile Alkohol.

 

Herstellung einer Beinwell-Tinktur

 

Herstellung einer Beinwell-Tinktur

 

Als Alkohol eignet sich Wodka (ca. 40%) sehr gut, weil er keinen Eigengeschmack aufweist. Sehr wasserhaltige Drogen sollten mit hochprozentigem Alkohol (60% oder mehr) angesetzt werden, weil der Alkoholgehalt der Tinktur durch das Wasser in den Pflanzenteilen sinken wird.

Beispiel: 250 gr. frische Löwenzahnwurzeln wurden mit 450 ml Alkohol 75% angesetzt. Nach dem Abgiessen und Filtrieren blieben noch 260 ml Tinktur mit einem Alkoholgehalt von 57%. Mit dem Rest haben sich die Kompostbewohner ein Riesenfest gemacht.

Der Ansatz bleibt zwischen 10 und 30 Tagen fest verschlossen bei Zimmertemperatur und sollte ab und zu bewegt werden. Die Dauer wird durch die Art der auszuziehenden Pflanzenteile bestimmt: Je widerstandsfähiger die Droge, desto länger lässt man sie ausziehen. Wurzeln oder Rinde brauchen länger als Blüten und zarte Blätter. Danach wird der Ansatz filtriert und die Tinktur in Braunglasflaschen abgefüllt. Dunkel und kühl gelagert ist sie jahrelang haltbar.

 

HAB-Frischpflanzentinkturen

HAB-Frischpflanzen-Presssaft-Tinkturen sind genau genommen keine Tinkturen, wenn man unter Tinktur einen alkoholischen Auszug versteht. Weil sie aber ähnlichen Inhalts sind und gleich wirken, werden sie dennnoch als Tinkturen bezeichnet.

Herstellung

HAB-Tinkturen werden nach der Vorschrift 1 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) folgendermassen hergestellt: Die frischen, gereinigten und abgetrockneten Pflanzenteile werden möglichst schonend ausgepresst und der Saft sofort mit der gleichen Gewichtsmenge Alkohol 86% vermischt. 5 Tage bei maximal 20°C ruhen lassen und dann filtrieren.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Pflanzen selbst nicht mit dem Alkohol in Verbindung kommen. Beim Auspressen bleiben die meist alkohollöslichen Verschmutzungsrückstände (Umweltgifte) auf den Pflanzen. Der Saft ist in diesem Sinne reiner als bei einer Direktmazeration in Alkohol. Der Alkohol wird hier nur zur Haltbarmachung zugesetzt.

Zum Auspressen der Pflanzen ist allerdings ein guter Entsafter mit Presskolbentechnik erforderlich. Ein solches Gerät kostet weit mehr als 500 Franken; eine Anschaffung, die sich nur lohnt, wenn es häufiger benutzt wird. In einer handwerklich orientierten Küche lassen sich damit viele feine Sachen herstellen: Säfte für Fastenkuren, Pasten zum Backen, Fruchtriegel, Teigwaren und so weiter. Zentrifugalentsafter aus dem Warenhaus (Anschaffungskosten 50 bis 100 Franken) sind für diesen Zweck ungeeignet.

 

Innerliche Anwendung von Tinkturen

Dosierung: Sofern keine anderen Angaben vorhanden sind, 3mal täglich 20 Tropfen. Kinder 3mal täglich 1 Tropfen pro Lebensjahr.

Es ist sehr praktisch, Tinkturen aus Pflanzen, die als Tee eine längere Zubereitungszeit erfordern, vorrätig zu haben. Wurzel-Drogen wie zum Beispiel Baldrian oder Süssholz, die für die Tee-Zubereitung längere Zeit gekocht werden müssten, sind auf diese Weise sofort verfügbar.

 

Alkohol für Abstinente? Kein Problem!

Heilpflanzen-Tinkturen dürfen Sie innerlich selbst dann ohne Reue anwenden, wenn Sie Alkohol sonst völlig meiden wollen. Eine übliche Gabe von 20 Tropfen einer Tinktur mit 45 Vol.% Alkohol enthält etwa 0.4 g Alkohol, das ergibt eine Blutalkoholkonzentration von maximal 0.08 Promille. Das ist weniger, als eine vollreife Banane bei der Verdauung im Körper produziert.

 

Äusserliche Anwendung von Tinkturen

Eine Tinktur zum einreiben, pinseln, sprayen oder als Auflage sollte nicht mehr als 25% Alkohol enthalten. Gegebenenfalls kann man sie mit Wasser verdünnen. Bei stärkeren Tinkturen oder bei empfindlichen Hautverhältnissen empfiehlt sich vor der Anwendung, benachbarte Hautareale mit einer Fettsalbe abzudecken. Nach der Anwendung sollte die Haut in jedem Fall mit einer guten Crème (z.B. mit Ringelblume) gepflegt werden, denn Alkohol trocknet die Haut aus.

Zum spülen und gurgeln wird eine Tinktur im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt (10 bis 20 Tropfen Tinktur auf einen rechten Schluck Wasser). Gurgeln oder den Mund intensiv – mehrere Minuten – spülen («durch die Zähne ziehen»). Das Gurgelwasser sollte nicht geschluckt werden.

Tinkturen lassen sich gut als Basis von Raumsprays verwenden. Um Sprays intensiver zu machen, gibt man zusätzlich wenige Tropfen ätherische Öle hinzu. Mit Restbeständen von Tinkturen kann man sich auch gut ein Kräuterbad zubereiten (Richtwert: 5 bis 10 Esslöffel auf ein Vollbad).

Zum Thema Heilen mit Tinkturen verweise ich gerne auf das Buch Heilen mit Frischpflanzentropfen von Bruno Vonarburg.

 


Weitere Tipps aus der Irchelpraxis

 

Weitere Tipps dieser Art vermittelt das umfassende Dokument

 

«Natur- und Erfahrungsheilkunde»

 

der Irchelpraxis. Auf ca. 300 Seiten finden Sie grundlegende Anleitungen aus dem Bereich der Natur- und Volksheilkunde sowie einen umfangreichen therapeutischen Index mit konkreten und erprobten Hilfestellungen, um abgeklärte Beschwerden auf natürliche Art selbst zu behandeln. weiterlesen können Sie dieses Dokument bestellen.

 

Zurück zur Übersicht