Traditionelle Zubereitungen

Frischpflanzensäfte

 

Frischpflanzensäfte sind die stärksten und wirkungsvollsten Heilpflanzenzuberei­tungen. Sie enthalten Vitalstoffe, die in Teezubereitungen oft nicht mehr vorhanden sind. Eine Frischpflanzensaftkur ist wesentlich intensiver als eine Teekur.

 

Auf dieser Seite werden Herstellung und Anwendung beschrieben. Wem der Aufwand für die tägliche Herstellung zu gross ist, kann verschiedene Säfte auch im Reformhaus oder im Bioladen kaufen.

Eine Frühlingskur mit dem frisch gepressten Saft aus Brennnesseln, Löwenzahn und vielen anderen Pflanzen dient der Stärkung und der allgemeinen Gesunderhaltung. Im frisch ausgepressten Saft steckt die ganze Kraft der Vitalstoffe der Pflanze.

Eine Frischsaftkur reinigt das Blut, regt Nieren und Blase an, fördert die Tätigkeit von Magen, Darm und Verdauungsdrüsen. Sie wirkt stoffwechselanregend, abwehrstärkend, antirheumatisch und durch die Vielfalt der Pflanzenhormone allgemein revitalisierend. Der Körper erhält wichtige Mineralien und Vitamine. Ein wesentlicher Teil der Wirkung einer Frischsaft-Kur beruht auf dem Chlorophyllreichtum der Brennnessel, die in keiner Saftzubereitung fehlen sollte.

Im Prinzip kann dazu auch jedes andere grüne, spriessende Blatt verwendet werden, sofern es nicht giftig ist. Erscheinungsbild und Wirkstoffkonzentration der Pflanzen sind je nach Wuchsort unterschiedlich. Eine gute Basis sind Brennnessel und Löwenzahn, die immer den Hauptanteil ausmachen sollten. Wenn möglich, sind die Pflanzen jeden Tag frisch zu sammeln. Wenn die Kräuter zu Hause gleich mit frischem Wasser bestäubt werden, halten sie sich zur Not noch einen oder zwei Tage im Kühlschrank.

 

Herstellung

mit einem Walzenentsafter

Für die Entsaftung am besten geeignet ist ein sogenannter Walzenentsafter. Ich verwende einen Green-Power-Entsafter aus dem Jahr 1997. Aktuelle Modelle finden Sie in der Schweiz weiterlesen.

Walzenentsafter arbeiten langsam, aber gründlich. Mit lediglich etwa 100 Umdrehungen pro Minute kann sich das Pressgut praktisch nicht erwärmen. Es wird durch Edelstahl-Zwillingspresskolben, eine spezielle Art von Zahnrädern, bis auf 0.1mm gequetscht und anschliessend durch Schraubenkolben gepresst. Dabei entsteht neben dem Saft auch sehr trockener Pressrückstand, der, wenn schmackhafte Früchte verarbeitet werden, gut zu Fruchtriegeln weiterverarbeitet werden kann. Der Pressrückstand aus aromatischen Blättern kann getrocknet und später als Tee oder Gewürzpulver verwendet werden.

 

Greenpower Quitten

 

Herstellung von Quittensaft

     Greenpower zerlegt

 

Die Innereien des Walzenentsafters

Walzenentsafter sind relativ teuer (500 bis 1000 Franken). Die Anschaffung lohnt sich aber, wenn es unter dem Jahr auch für die Herstellung von Frischsaft aus Früchten oder Gemüsen oder mit Zusätzen für die Back- und Teigwarenerzeugung verwendet wird. Der 100% reine Pflanzensaft aus einem Walzenentsafter eignet sich aber auch hervorragend für die Herstellung von HAB-Tinkturen.

mit einem Zentrifugalentsafter oder von Hand gepresst

Die Pflanzen werden mit Fleischwolf, Cutter, Blender oder Raffel zu einem Mus verarbeitet. Dabei ist es wichtig, dass die Pflanzenfasern verletzt werden. Danach werden sie eine Stunde in wenig kaltem Wasser eingeweicht und dann mit einem Zentrifugalentsafter für den Haushalt (Kosten 50 bis 100 sFr.) oder einer Handpresse entsaftet oder ausgepresst.

Der Saft sollte möglichst frisch verwendet werden, weil er sich schnell zersetzt. Bei Raumtemperatur hält er sich ein paar wenige Stunden, sauerstoffarm, kühl und dunkel kann er maximal zwei Tage aufbewahrt werden.

Wer selber keine Pflanzenstandorte kennt, beim Sammeln unsicher ist oder die Arbeit nicht auf sich nehmen möchte, kann viele Säfte auch im Reformhaus oder im Bioladen kaufen; z.B. Schoenenberger-Säfte.

 

Dosierung

Mit den Rohsäften muss man sehr vorsichtig umgehen, da sie hochkonzentrierte Pflanzen­wirk- und Nährstoffe enthalten. Man beginnt mit der Einnahme von 2 oder 3 Esslöffeln, immer über den Tag verteilt.

Direkt ab der Presse ist der frische Saft von typischen «Frühjahrskur-Pflanzen» wie z.B. Brennnessel, Löwenzahn und vor allem dem sehr aromatischen Bärlauch weit davon entfernt, ein echter Genuss zu sein. Am besten verdünnt man ihn mit Bouillon, Buttermilch oder sonst einem natürlichen Getränk.

Die Dosis kann jeden oder jeden 2. Tag um einen Esslöffel erhöht werden. Es ist ratsam, die Reaktionen am Körper (Verändertes Stuhlverhalten, Hautausschläge, Wohlbefinden…) genau zu beobachten und nie über 8 Esslöffel (das ist fast 1dl reiner Presssaft) pro Tag zu dosieren, auch wenn einzelne Publikationen wesentlich höhere Dosen empfehlen. Nach dem Maximum reduziert man die Dosis wieder jeden oder jeden 2. Tag um einen Esslöffel.

Es kann bei einer Kur zu Symptomen wie Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen kommen, wie wir sie auch beim Fasten kennen, aber auch zu Durchfällen und Hautausschlägen. Solche Symptome weisen auf eine Überdosierung oder Unverträglichkeit hin. In diesen Fällen sollte die Kur abgebrochen oder zumindest die Saftmenge stark reduziert werden.

Eine Frischpflanzen-Saftkur dauert mindestens 3 Wochen, in abgeschwächter Form maximal 6 Wochen. Der Saft kann zwischendurch auch durch Tee ersetzt werden: 1 Esslöffel Saft entspricht etwa einer Tasse (2dl) Tee.

 


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