Das Beduften von Räumen

und das Räuchern von Pflanzenteilen als Ritual im Alltag

 

Gedanken zur Duftheilkunde Die Räucherung mit Heissluft
«08:15»   Die Duftlampe Räuchermischungen
Räuchern als Ritual im Alltag Räucherstäbe und -büschel
Die Räucherung auf Kohle Weitere Räucherstoffe

 

 

Gedanken zur Duftheilkunde

Das Einwirken alltäglicher 'Duftunheile' im Verkehr, am Arbeitsplatz und vielleicht sogar in der Freizeit beeinflusst unser Wohlbefinden stark. Oft gewöhnt man sich sehr schnell auch an widerliche Gerüche, besonders wenn man die Umstände nicht ändern kann oder will.
Was man im Alltag ertragen muss, fällt einem oft erst dann auf, wenn die Immissionen plötzlich fehlen, in einer anderen Umgebung etwa oder im Urlaub. Trotzdem muss man oft wieder zurück und kann kaum etwas dagegen tun.

Aber wir können etwas dafür tun! Indem wir den Spiess umdrehen und uns, wann immer wir können, mit guten Düften aus der Natur umgeben. Hier wird beschrieben, wie man mit wenig Aufwand natürliche Düfte in die Wohn- und Arbeitsräume bringen kann.

 

Die Duftlampe

Für die natürliche und sanfte Raumbeduftung wird oft eine sogenannte Duftlampe verwendet. Dabei handelt es sich um ein kleines, von einer Rechaudkerze erwärmtes Ton- oder Glasgefäss, das mit Wasser gefüllt ist. In dieses warme Wasser werden einige wenige Tropfen ätherische Öle gegeben, die auf diese Weise sanft verdunsten und ihre Düfte unverfälscht in die Raumluft abgeben.

Das grosse Angebot von Duftlämpchen hat dieser edlen Art der Raumbeduftung erfreulicherweise viel Auftrieb gegeben, wenn auch auf diesem Weg viele synthetische Billigduftgemische als 'Duftöle' unter die Leute gebracht werden.

Es lohnt sich absolut, auch in der Duftlampe ausschliesslich reine ätherische Öle in Aromatherapiequalität zu verwenden. Diese hochkonzentrierten Essenzen sind zwar etwas teurer, sie können aber im Gegensatz zu billigen Duftölen auch für andere Zwecke wie Körperpflege, Duft- und Genussmittel verwendet werden. Mehr über ätherische Öle lesen Sie hier.

 

Das Räuchern von Pflanzenteilen als Ritual im Alltag

Eine andere, ursprünglichere Art der 'Beduftung' sind Räucherungen mit den verschiedensten frischen und getrockneten Pflanzenteilen. Blätter, Früchte, Wurzeln, Rinden, Hölzer und Harze, die bei der Erwärmung oder Verbrennung Duftstoffe abgeben, haben vielfältige Qualitäten in der Heilkunde und bei Ritualen aller Art.
Im Alltag ersetzen sie die Räucherstäbchen und geben den Wohn- und Arbeitsräumen eine besondere Note. Es lassen sich in fast jedem Haushalt Pflanzenteile finden, die sich zum Räuchern eignen, denken Sie nur einmal an Ihren Gewürz- oder Teevorrat...

Auch wer nichts mit religiösen oder kultischen Riten am Hut hat, kann mit einer Räucherung zu einer bestimmten Tageszeit oder Gelegenheit Abstand zum Alltagsstress finden und zugleich Sinne und Seele mit feinen Düften pflegen.

 

Die Räucherung auf Kohle

Meistens werden für solche Räucherungen spezielle Räucherkohlen verwendet, die im Fachhandel oder vielleicht auch in einer guten Drogerie erhältlich sind. Diese Presskohle-Tabletten enthalten jedoch chemische Zusätze, die einen gleichmässigen Abbrand ermöglichen (sollten).
Ich habe mich nie mit dieser Methode anfreunden können, denn das Zeugs schleudert beim anzünden Kohlepartikel um sich und stinkt so fürchterlich, dass es in den ersten Minuten nur im Freien verwendet werden kann. Die mit der Zeit entstehende Glut ist zwar schön und gleichmässig, aber nur für trockene Drogen geeignet und oftmals auch viel zu heiss. Für frische Drogen und besonders für das Räuchern von Harzen ist diese Methode völlig ungeeignet, denn die Tablette saugt das flüssige Harz auf und verlöscht daraufhin jämmerlich.

 

Das 'Nonplusultra': Die Räucherung mit Heissluft

Im Verlauf der Zeit hat mich die unbefriedigende Situation mit den Räucherkohlen auf die Idee gebracht, eine spezielle Duftlampe, beziehungsweise einen Räucherofen zu entwickeln, bei dem die 'Räucherung' nur durch heisse Luft erfolgt.

Als zweckmässigste Konstruktion hat sich eine Art Duftlampe mit Kamin herausgestellt, bei der die Drogen auf einem Metallsieb der heissen Luft ausgesetzt werden. Auf diese Weise erhält man eine sehr reine Räucherung und einen gut kontrollierbaren Ausdünstungsvorgang.

Versuche haben ergeben, dass für eine Räucherung von gut zerkleinerten Drogen die Wärme einer einzigen Rechaudkerze ausreicht. Für gröbere Zubereitungen oder widerstandsfähige Pflanzenteile kann mehr Wärme von Vorteil sein, deshalb sollte die Bodenfläche Platz für 3 Rechaudkerzen bieten.

Massgebend für eine gute Funktion sind die Konstruktion des Kamins und eine genügende Luftzufuhr von unten. Der Kamin muss hoch sein und darf im oberen Teil keine Luftlöcher mehr aufweisen, damit genügend Zug entstehen kann. Für die "Befeuerung" sollte einseitig eine grosse Öffnung vorhanden sein.

Weil ich selbst keine Erfahrung mit Töpfern habe, habe ich mir von einer begabten Handwerkerin einen Räucherofen nach meinen Vorschlägen herstellen lassen.

Als Gitter für die Drogen dient ein Stück eines metallenen Spritzschutzsiebs für Bratpfannen. Wenn man zuerst eine Lage Holzspäne (z.B. das fein duftende Sandelholz) einlegt, können nach dessen Ausdünstung auch Harze geräuchert werden, ohne dass etwas davon auf die Kerze tropft.











Diese Art Räucherofen kann ich sehr empfehlen, er ermöglicht eine gut kontrollierbare Ausdünstung der Drogen, ohne dass diese dabei verbrennen.

Nachdem ich mit meinem etwas bauchigen und massiv wirkenden Prototypen Erfahrungen gesammelt habe, möchte ich einen etwas grazilern Heisslufträucherer mit einem ausgeprägteren Kamin und tieferer Luftzufuhr, aber wieder mit der Grundfläche für 3 Rechaudkerzen.

Sind Sie Töpfer oder Töpferin? Möchten Sie für mich einen weiteren Räucherofen herstellen? Dann nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf:

 

 

Es gibt zwar vereinzelt ähnliche Konstruktionen, wie ich sie beschrieben habe, zu kaufen. Sie sind aber meiner Meinung nach allesamt untauglich, weil sie zu niedrig sind und darin zuwenig Hitze entsteht. Wenn obige Beschreibung Ihr Interesse geweckt hat und Sie selbst experimentieren möchten, kommen Sie wahrscheinlich nicht darum herum, sich selbst einen Ofen herzustellen oder herstellen zu lassen. Als Anhaltspunkt kann ich Ihnen die Masse angeben:

Der oben beschriebene Prototyp hat einen Basisdurchmesser von 12cm. Die Austrittsöffnung misst 4,5cm im Durchmesser. Die Kanalhöhe (Distanz von oberkant Flamme bis Sieb) beträgt 14cm. Funktionelle Varianten wären z.B. ein verringerter oberer Durchmesser oder eine kleinere Basisfläche für nur noch eine Kerze, aber doch mit genügender Standfestigkeit.

 

Beispiele zur Herstellung von Räuchermischungen:

 

Basismischung

Diese Basismischung kann vor der Verwendung mit Gewürzen, Harzen oder Hölzern individuell abgestimmt werden.

1 Teelöffel Honig

15g Salbei

2 Teelöffel andere Kräuter je nach Belieben

Bei Verwendung von getrockneten Drogen bis zu 4 Teelöffel Wasser oder ein Wasser-Alkohol-Gemisch, bei frischen Kräutern weniger oder gar keine zusätzliche Flüssigkeit.

Honig und Wasser mischen. Dann die gut zerriebenen Kräuter teelöffelweise in das Honigwasser geben.

Die Blätter sollten kräftig hineingerieben werden, bis sie anfangen etwas weich zu werden.

Danach wird das Gemisch auf einer flachen Schale ausgebreitet und von Zeit zu Zeit gewendet, damit die Flüssigkeit verdunstet.

Wenn die Mischung zähflüssig ist, in eine luftdichte Dose füllen und beschriften.

 

Lugal Banda

Festduft des Königs; Ein kräftiger und sinnlicher Duft.

1 Teil Galbanum

1 Teil Labdanum

2 Teile Styrax

2 Teile Mastix

2 Teile Myrrhe

etwas flüssiger Waldhonig
(nach Bedarf; nur nötig, wenn die übrigen Zutaten sehr trocken sind)

Mastix, Myrrhe und Styrax im Mörser pulverisieren. Galbanum und Labdanum dazugeben und gut verreiben.

Mit wenig Honig so kneten, dass eine wachsartige Masse entsteht. Diese zu etwa erbsengrossen Kügelchen formen.

Auf einem Tuch oder Sieb eine Woche trocknen lassen. Einzelne Erbsen verräuchern.

 

Selbstgemachte Räucherstäbchen / Räucherbüschel

Man nehme ein paar Zweige frischer Kräuter - z.B. Thymian, Rosmarin, Salbei, Lorbeer, Kiefer oder Zypresse - und wickle sie mit einem dünnem Baumwollfaden zu einem dichten Büschel. Wichtig: Jeden Zentimeter den Faden verknoten und alle Blätter umwickeln, damit sich beim abbrennen nichts löst. Dann lässt man das Büschel einige Wochen kopfüber aufgehängt an der Luft trocknen.
Alternativ kann man die Zweige vor dem Verknoten auch mit einem Dörrgerät (Dörrex oder ähnlich) gut anwelken bis leicht trocknen lassen. Sie sollten aber nicht zu trocken sein, weil sie dann beim Binden leicht brechen. Wenn kein Dörrgerät vorhanden ist, kann man's auch im elektrischen Backofen versuchen. Gasöfen eignen sich dafür nicht, sie entwickeln auch auf der schwächsten Heizstufe zuviel Wärme. Dazu die niedrigste Temperatur wählen und die Backofentür leicht geöffnet halten. Nach 20 bis 30 Minuten die Heizung abstellen und die Backofentür schliessen.

Zum anzünden wird der Büschel ca. 5 cm über eine Kerzenflamme gehalten, bis er glimmt. Er sollte aber nicht zu brennen beginnen.

 

Weitere Ideen für Räucherstoffe

Hier kann nach Herzenslust kreativ experimentiert werden. Schauen Sie sich als erstes in Ihrer Küche um. Es gibt da sicher viele schmackhafte Gewürze. Was Sie als Teepflanze oder zum Kochen benutzen, können Sie meistens auch räuchern. Am besten sind die «ganzen» Drogen, die dafür nur leicht gebrochen werden. Sind die Gewürze schon pulverisiert, sollte man - wie oben beim Gitter des Heissluftofens beschrieben - zuerst gröbere Stoffe räuchern, bevor Pulver verwendet wird und das Pulver sorgfältig dosieren.

Zimt, Kardamom, ausgekratzte Vanilleschoten, Tonkabohnen...
Nelken, Wacholder, Piment... (Beeren und Samen zuerst zerquetschen, sonst können sie explodieren!)
Salbei, Rosmarin, Thymian, Lorbeer, Muskat...
Waldmeister, Engelwurz, Minzen jeder Art...

 

Weiter können sehr viele aromatische Pflanzen aus dem Garten frisch oder getrocknet, einzeln oder in Mischungen geräuchert werden:

natürlich alle Küchenkräuter, wobei bei verholzenden Pflanzen (Salbei, Rosmarin, Thymian, Lavendel etc.) auch das geraspelte Holz verwendet werden kann.
Holundermark: befindet sich im Inneren von Holunderzweigen, ist weisslich, porös und sehr leicht.
Harz, Rinde, Holz und Blätter unserer Nadelbäume.
fein duftende Wurzeln (z.B. Nelkenwurz, eine Pflanze, die bei uns häufig als Unkraut ausgerissen wird.)

 

Daneben bietet der einschlägige Fachhandel wunderbare Räucherpflanzen und Harze aus fernen Ländern an:

Harze: Weihrauch, Myrrhe, Mastix, Benzoe, Copal...
importierte Pflanzenbündel und Einzeldrogen
rituelle Räuchermischungen
Hölzer, getrocknete Früchte und vieles weitere mehr.

 

Will man die Konsistenz einer Mischung verändern oder eine intensive Duftnote zufügen, kann man flüssige Komponenten beigeben oder auch ätherische Öle zur geschmacklichen Abrundung verwenden:

Ein paar Tropfen Olivenöl, wenig flüssiger Honig.
Bienenkittharz (Propolis): Man kann es mit einem Messer abschaben oder als Tinktur in einer Mischung verwenden.
alkoholische Auszüge
ätherische Öle

 

Vorsicht: alkoholische Flüssigkeiten und ätherische Öle sparsam verwenden und die Mischungen genügend ausdünsten lassen. Nie über der Flamme über die Räuchermischung träufeln, das kann recht ordentliche Stichflammen erzeugen.

learning by doing

...danach braucht's keinen Bartschneider mehr, man(n) kann den verkohlten Flaum nur noch abschütteln. Das ist zwar äusserst effizient und sehr praktisch, aber dermatologisch nicht ganz unbedenklich, weil etwas schlecht dosierbar.